Eisheilige, Schafskälte & Co. Wir klären über Wetterregeln für Gärtner auf.

Bauernregeln- noch zeitgemäß?

Wer kennt sie nicht, die guten alten Bauernregeln, die voraussagten, wie die Ernte wird und worauf sich der Bauer einstellen muss. Viele von ihnen sind bis heute noch sehr hilfreich, andere sind leider reiner Aberglaube gewesen. Es gibt für fast jeden Tag im Jahr eine Wetterregel und zwar verschiedene! Nachlesen kannst Du sie z.B. in Online-Enzyklopädien.

Die alten Bauernregeln oder Wetterregeln entstanden aus jahrhunderterlanger Beobachtung der Wetterverhältnisse. Die ersten wurden bereits in der Antike aufgestellt. Auch die Römer hielten sich daran, wenn sie z.B. im Rheinland versuchten, Wein anzubauen. Sicher hast Du auch schon von Naturvölkern gehört, die in den Wolken und Wellen lesen können, wie das Wetter wird. In jedem Fall kann man so Muster erkennen, ist vorgewarnt und kann bestimmte Maßnahmen ergreifen.

Die bekanntesten Bauernregeln stammen aus der Zeit vor Christi. Dann wurden sie auf die Namen der Heiligen und den jeweiligen Jahrestag umformuliert. So geht der Siebenschläfer-Tag am 27. Juni auf die sieben Märtyrer in der Bibel zurück. Regnet es an diesem Tag, so soll es sieben Wochen lang regnen. Die Siebenschläfer-Regel ist eine der wenigen, die sich bis heute hält, weil sie tatsächlich oft zutrifft. Es weht zu dieser Zeit der sogenannte Jetstream, ein starker Wind von Westen nach Osten. Er bringt langanhaltende Wetterperioden mit. Ob die Regel genau zutrifft, hängt von der jeweiligen Region ab. Man sagt in Berlin trifft sie zu knapp 70 % zu, in Hamburg zu 80 %.

Alte Wetter-Regeln mit viel Weisheit

Viele der alten Regeln hatten ihre Berechtigung, besonders deswegen, weil es noch keine Meteorologen und Wettersatelliten gab. Die Bauern brauchten eine Orientierung, um ihre Ernten nicht zu verlieren.

Einige Regeln kann man wirklich mit dem reinen Menschenverstand heute noch nachvollziehen wie „Säst du im März zu früh, ist’s oft vergeb’ne Müh’“ Natürlich wird es zu dieser Jahreszeit oft noch mal richtig kalt und das Säen wäre umsonst. Wer kein Gärtner ist und sich nicht schon länger mit Wetterbeobachtung beschäftigt, kann auf die ersten warmen Sonnenstrahlen im März schon hereinfallen. Andere Reime ergänzen diese Aussage: „Märzen-Schnee tut Zartem weh“. Trotzdem kann man im März im Garten schon mit Vielem beginnen: Der erste Rasenschnitt ist fällig und sorgt für ein gleichmäßiges, sattes Grün. Die Obstbäume werden nun ausgeschnitten. Gemüsesorten wie Möhren, Spinat, Zwiebeln können ausgesät werden. Spargel, Rhabarber, Topinambur oder Kopfsalat können ins Freie gepflanzt werden. Zarte Blumen oder etwa Erdbeeren, alles was blüht und dann Früchte tragen will, sollte man noch nicht pflanzen. Eine andere Bauernregel besagt: „Mai kühl und nass, füllt des Bauern Scheun’ und Fass“ oder „Mairegen bringt Segen“ Warum gilt dieser Spruch? Im Mai fängt die Natur an zu sprießen und zu gedeihen, bekommt sie im Mai genug Wasser, so verspricht dies eine gute Ernte.

Diese Sprüche sind dazu da, der Natur im eigenen Garten ein wenig nachzuhelfen, ist der Mai also zu trocken, muss nachgewässert werden. Will man schon im März empfindliche Pflanzen säen, müssen Wärmeschutzfolien her, wie es bei der Spargelanpflanzung gang und gebe ist.

Eine Blume im Regen.

Die Eisheiligen und die Schafskälte

Ein Wetterhahn auf dem Dach.

Die Gedenktage für bestimmte Heilige sollen uns an wichtige Bauernregeln erinnern. Die Eisheiligen, das sind die Gedenktage für die Heiligen, die um den 11. bis 15. Mai ihren Namenstag haben. Vor diesem Datum sollte man kälteempfindliche Pflanzen nicht rausstellen. Es kann nämlich um diese Zeit noch mal ordentlich kalt werden. Auch wenn dies mehrere Jahre nicht der Fall war, gibt es keine Garantie für pflanzenfreundlichere Temperaturen. Auch von hochsommerlichen Temperaturen im April darf man sich nicht von dieser Regel ablenken lassen. Sie gilt insbesondere für Höhenlagen und Täler. Die Schafskälte betrifft eigentlich nur Schäfer. Denn es ging darum, dass es zwischen dem 4. und 20. Juni doch noch mal ordentlich kalt werden kann. Dann sollten Muttertiere und Lämmer noch nicht geschoren werden! Diese Kälteperioden treten natürlich nicht jedes Jahr auf, können aber, daher sollte man sie beachten.

Bauernregeln - von Meteorologen oft belächelt

Meteorologen halten die alten Bauernregeln für überholt. Sie können heute präzisere Angaben machen. Allerdings ist der Hochmut nicht ganz berechtigt, denn dass einige Termine heute nicht mehr stimmen, liegt auch daran, dass sich die Gedenktage mit der Kalenderreform des 16. Jahrhunderts verschoben haben. Vor allem aber ist es der Klimawandel, der manche Regeln außer Kraft setzt. Unsere Jahrestemperatur ist um 1,4 Grad gestiegen. Daher blühen Schneeglöckchen und Forsythien heute früher. Auch Apfelbäume setzen früher an.

Ebenso ist klar, dass die Bauernregeln nicht für alle Regionen von Deutschland gelten können. Meteorologen können das Wetter nicht über eine ganze Saison hinweg voraussagen. Der Vorteil der Bauernregeln war eben, dass die Bauern sich mit ihrer Hilfe orientieren konnten, wann sie säen, pflanzen oder wässern sollten. Sie konnten auch geeignete Vorsichtsmaßnahmen vornehmen, wenn sich zu viel Trockenheit oder zu viel Nässe angekündigt hat. Die heutige Wettervorhersage kann den Bauern leider nicht mehr so viel Anhaltspunkte geben. Auch deshalb nicht mehr, weil unser Wetter immer unbeständiger wird.

Welche Bauernregeln haben heute noch Bestand?

Einige Bauernregeln sind heute noch wichtige Hilfeleister für Gärtner und Bauern. Es sind die bereits genannten, die heute fast jeder weiß und als Gärtner oder Bauer kennen sollte:

Die Eisheiligen, die Schafskälte und der Siebenschläfer. Wer vor den Eisheiligen exotische Terrassenpflanzen herausträgt wie den Oleander oder den Zimmerhibiskus, der muss das in manchen Jahren bereuen. Der Siebenschläfer kann den Bauern heute noch Anhaltspunkte geben. Besonders die Weinbauern kennen sich noch immer gut mit Wetterregeln aus. Sie wissen genau, ob ein Sommer eine ertragreiche Ernte und einen guten Wein ergibt oder ob sie Einbußen machen werden.

Weitere bekannte Bauernregeln, die noch Gültigkeit haben, sind:

  • Je frostiger der Januar, desto freundlicher das ganze Jahr
  • Ist der September lind, wir der Winter schwach wie ein Kind
  • Altweibersommer: Sommer im Frühherbst
  • Hundstage: sommerliche Hitzeperiode

Fazit zum Thema Bauernregeln

Für Gärtner und Bauern ist es durchaus hilfreich, sich mit den alten Bauernregeln zu beschäftigen. Es gibt dazu auch zahlreiche ausführliche Literatur und Kalender, die für jeden Tag einen Hinweis bieten. Wer einige Jahre Erfahrung mit dem Anbau von Obst und Gemüse hat, wird bald selbst einige Zusammenhänge erkennen. Der Austausch mit anderen Landwirten ist dabei aber oft hilfreicher als der Blick in alte Bauernkalender.


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