Haufen mit Birnen

So veredelst Du Birne und andere Obstbäume Was genau ist die Veredelung?

Deine Birnen im Garten schmecken köstlich und Du würdest am liebsten einen zweiten Birnbaum haben? Dann ist eine Veredlung genau das Richtige für Dich. Das Veredeln von Birne oder anderen Obstbäumen kannst Du mit etwas Übung leicht lernen. Wichtig sind dabei vor allem der Veredlungstermin und die passende Methode. Es macht beispielsweise einen Unterschied, ob Du im Frühling oder Sommer veredeln möchtest.

Wir haben im folgenden Artikel die wichtigsten Infos zum Thema „Veredelung von Birne und anderen Obstbäumen“ für Dich zusammengetragen. Was genau bedeutet dieser Begriff und wie veredelst du Deine Bäume am besten? Im Anschluss an diesen Artikel  kannst Du loslegen und Deinen Lieblingsbaum ganz einfach klonen.

Was genau passiert beim Veredeln?

Die Veredlung ist eine alte Fortpflanzungsmethode für Obstbäume. Durch sie können Obstsorten und Pflanzen identisch nachgezüchtet werden. Im Klartext: Es handelt sich um eine betagte Form des Klonens. „Waren da nicht mal die Bienen zuständig?“, fragst Du Dich vielleicht. Ja, aber: Durch herkömmliche Bestäubung entstehen oft pflanzliche Mischformen, sprich die DNA geht verloren. Bei der Veredlung erzeugst Du eine identische Kopie vom Baum. Dafür brauchst Du lediglich einen jungen Trieb, den so genannten Edelreis und eine passende Unterlage. Konkret ist das ein Ast eines artverwandten Baums. Beides wird verbunden und wächst zusammen. Daraus entsteht im Laufe der Zeit ein Baum auf einem Baum. Der Vorteil dabei: Die Eigenschaften einer Sorte, beispielsweise eines Birnbaums, ändern sich bei der Veredlung nicht. Lediglich äußere Bedingungen, wie Boden oder Witterung führen zu Unterschieden im Ertrag. Durch die Veredlung können Obstsorten über Jahrhunderte weg erhalten bleiben. Prominentes Beispiel ist die Apfelsorte „Edelborsdorfer“. Sie ist mittlerweile an die 900 Jahre alt.

Aber nicht nur zum Klonen wird veredelt. Auch wenn der Baum oder die Wurzeln wegen der Bodenbeschaffenheit kränkeln, macht eine Veredlung Sinn. Wichtig bei der Veredlung sind der richtige Zeitpunkt und die passende Methode.

Wann und wie kann ich meine Birne veredeln?

Wie bereits erwähnt, lassen sich Birnen normalerweise einfach veredeln. Für den Veredlungsprozess eignen sich zwei Methoden besonders gut. Die Kopulation und deren Varianten (z.B. das Anplatten) sowie die Okulation. Der optimale Zeitraum für die Kopulation ist die Frühlingszeit zwischen März und April, denn der Edelreis sollte noch nicht treiben, die Unterlage hingegen schon.

Auch im Sommer kannst Du Birne oder andere Obstbäume veredeln. Zum Beispiel mit der Okulation, ein Verfahren, bei der nicht der Ast, sondern die Knospe des Obstbaumes in die Unterlage eingepfropft wird. Der beste Moment für dieses Verfahren ist zwischen Mai und September.

Die Kopulation im Detail

Bei der Kopulation verbindest Du den Trieb eines Obstbaumes mit einer artverwandten Unterlage. Dazu brauchst Du einen Edelreis, der ungefähr ein Jahr alt ist. Diesen schneidest Du im Winter ab und bewahrst ihn an einem trockenen, dunklen Ort auf. Am besten in einer Plastiktüte – das schützt den Trieb vor Nässe. Der optimale Edelreis ist mindestens 20 cm lang und etwa so dick wie ein Bleistift. Es sollten außerdem 4 Knospentriebe vorhanden sein. Diese kannst Du ganz einfach erfühlen, wenn Du an der Rinde entlangstreichst.

Bevor dieser anfängt zu sprießen, ungefähr im März oder April, befestigst Du ihn an der Unterlage. Die Unterlage, ein gleichdicker Ast, wird schräg angeschnitten und der Edelreiser an der Schnittstelle befestigt. Im Birnenfall eignet sich Quitte am besten als Basispflanze. Sie ist robust und mit dem Birnbaum verwandt. Hier musst Du jedoch auf die jeweilige Birnensorte achten. Nicht alle sind für eine Veredlung mit Quitte geschaffen. Wenn Du Dir nicht sicher bist, ob Deine Birnensorte zur Quitte passt, kannst Du Dich vorher von einem Fachmann beraten lassen.

Von der Quitte suchst Du einen Ast aus, der senkrecht nach oben wächst. Die Auflagefläche von Edelreis und Unterlage müssen dabei gleich groß sein. Wichtig ist, dass keine Keime an die Unterlage oder an den Edelreis kommen. Das könnte zu Verunreinigung und Keimbildung führen. Deshalb Messer und sonstiges Werkzeug gut reinigen und Handschuhe tragen.

Als nächsten Schritt bindest Du die Schnittstellen mit Hilfe von Bast zusammen und versiegelst das Ganze mit Baumwachs. Für Anfänger eignet sich eine einfache Kopulation, bei der die Schnittstellen glatt sind. Bei der etwas kniffligeren Kopulation mit Gegenzunge versiehst Du die Schnittstellen zusätzlich mit einem Einschnitt. Auf diese Weise sind beide Hölzer stabiler miteinander verbunden und die Veredlung geht zudem schneller.

Damit ist die Kopulation bereits abgeschlossen. Ab diesem Zeitpunkt ist Geduld gefragt, denn es dauert ein ganzes Jahr, bis Du den Bast entfernen und Du sehen kannst, ob Deine Birnenveredlung erfolgreich war.

Veredlung von Birne im Sommer: Die Okulation

Die Okulation folgt einem ähnlichen Prinzip wie die Kopulation. Der Unterschied ist, dass anstelle eines Triebes eine Knospe verwendet wird. Man spricht hier von einem Edelauge. Die Veredlung mit einem Edelauge ist komplexer, da diese in die Rinde geschoben wird. Hier sind der passende Zeitpunkt und die Beschaffenheit der Rinde wichtig. Optimal ist meist der Juli.

Mit einem speziellen Okuliermesser trennst Du hierbei die Knospe vom Edelreis ab und lässt dabei einen kleinen Blattstiel übrig. Dieser hilft später bei der Erfolgskontrolle. Nun musst Du in die Unterlage so tief einschneiden, dass das Edelauge Platz hat.

Die Rinde muss hierfür weich genug sein, was zwischen Mai und September der Fall ist. Nur so kann das Edelauge in die Unterlage eingesetzt werden und auch wirklich anwachsen. Nach dem Einsetzen musst Du die Schnittstelle, wie auch bei der Kopulation, abdichten. Das machst Du am besten mit Bast oder Folie. Ob die Veredlung erfolgreich war, kannst Du schon nach kurzer Zeit sehen. Nach ungefähr ein bis drei Wochen fällt der Blattstiel bei Berührung ab. Ist dieser hingegen verdorrt und lässt sich nicht abtrennen, hat die Veredlung der Birne oder des Obstbaums nicht geklappt.

Fazit: Veredeln gelingt mit Übung und Geduld

Veredeln klingt kompliziert, kann aber auch von Laien durchgeführt werden. Für Anfänger eignet sich die Kopulation, Geübtere können sich auch an die Okulation wagen. Beim ersten Mal empfiehlt sich bei beiden Methoden, einen Kenner zu fragen, ob Edelreis bzw. Edelauge tatsächlich zueinander passen. In einer Baumschule oder Obstplantage solltest Du Spezialisten finden, die Dir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Trotzdem funktioniert das Veredeln nicht immer auf Anhieb. Mit etwas Beharrlichkeit klappt es aber garantiert! Ein Meister fällt zwar nicht vom Himmel, aber auch nicht weit vom Stamm.

Viel Spaß beim Experimentieren und Obst naschen!

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