Das Exterieur des Reitpferdes

Das Exterieur eines Pferdes bestimmt maßgeblich seine Eigenschaften als Reitpferd. Daher haben die meisten Zuchtverbände bestimmte Exterieurkriterien festgelegt, die das Pferd als Zuchtziel erfüllen sollte. Ausgenommen davon sind beispielsweise Rennpferde, deren Gebäude gegenüber ihrer Schnelligkeit nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Einige der Merkmale sind rein optischer Natur, etwa eine bestimmte Fellfarbe wie bei Haflingern oder Fjordpferden. Andere beeinflussen die Eignung für eine Disziplin oder für bestimmte Lektionen, zum Beispiel die Winkelung der Hinterhand oder die Schulterfreiheit. Ein paar Kriterien sind allerdings darunter, die essenziell für eine Nutzung als Reitpferd sind. Ein Pferd mit krummen Beinachsen, einem starken Senkrücken, Beckenschiefstand oder Bockhufen kann aus gesundheitlichen Gründen schnell unreitbar werden. Es ist also durchaus sinnvoll, immer wieder einen kritischen Blick auf das Gebäude des jeweiligen Pferdes zu werfen. 

Hier finden Sie eine Übersicht, wie ein ideales Pferd aussehen sollte, was Exterieurmängel sind und welche Probleme dadurch möglicherweise entstehen können.

Der Gesamteindruck

Generell gilt: Es gibt kein Pferd mit perfektem Gebäude. Jedes Tier hat ein paar kleinere oder größere Mankos, die je nach Verwendungszweck gar nicht oder sehr stark ins Gewicht fallen. Von „korrektem Exterieur“ spricht man, wenn das Pferd keine groben Fehler aufweist oder diese durch Training zum Verschwinden gebracht werden können. 

Ein korrekt gebautes Pferd verfügt über lange Linien, mit einer schön geschwungenen Oberlinie, geraden Achsen in den Beinen sowie harmonischen Übergängen zwischen den einzelnen Körperpartien. Die Muskulatur ist gleichmäßig ausgeprägt, die Bewegungen weich und fließend. Diese Kriterien gelten für alle Rassen und Mixe. Je nach Zuchtziel gelten auch andere Ausformungen der einzelnen Teile als ideal. Ein Westernpferd sieht ganz anders aus als ein Dressurpferd, das wiederum mit einem Isländer nicht viel gemeinsam hat.

Pferdekopf

Kopf und Hals

Betrachtet man das Exterieur genauer, erfolgt das meistens von vorne nach hinten. Deswegen beginnen wir hier auch mit Kopf und Hals. 

Die Kopfform an sich ist für ein Reitpferd nur von untergeordneter Bedeutung und vom Schönheitsideal der jeweiligen Rasse abhängig. Es gibt jedoch einige Dinge, die dem Pferd Schwierigkeiten bereiten könnten. Ein sehr extremer Hechtkopf schränkt eventuell die Atmung ein, ein starker Überbiss oder Scherenbiss macht es dem Pferd vielleicht schwer, korrekt am Zügel zu gehen. Ein sehr kurzer Kopf verträgt keine breiten Nasenriemen. Ein sehr schmaler Kiefer muss bei der Wahl der Trense berücksichtigt werden. 

Besonders wichtig ist der Übergang vom Kopf zum Hals, also Ganaschen und Genick. Ein kurzer, schwerer Hals mit wenig Ganaschenfreiheit zum Beispiel, kann die Nase kaum an der Senkrechten tragen. Das muss beim Reiten in Anlehnung berücksichtigt werden. Ein sehr schmaler, geschwungener Hals (Schwanenhals) mit leichtem Genick wiederum führt dazu, dass sich das Pferd leicht einrollt und den Rücken hängen lässt. Hier muss besonders sorgfältig auf ordentliches Reiten hin zum Gebiss geachtet werden.

Pferd Vorderhand

Vorderhand

Der Übergang vom Rumpf zum Hals, der sogenannte Halsansatz sollte passend zum Pferd wirken. Bei Warmblütern, Barockpferden und ähnlichen Rassen wünscht man sich einen eher hoch angesetzten Hals, bei Westernrassen etwas tiefer, bedingt durch die gewünschte Haltung des Pferdes unterm Reiter. Ein zu hoch angesetzter Hals macht es schwierig, den Rücken aufzuwölben, ein zu tief angesetzter bringt das Pferd schnell auf die Vorhand. 

Die Schulter dahinter sollte lang und schräg sein, um eine effiziente Vorwärtsbewegung zu ermöglichen. Die Vorderbeine bis hinunter zu den Hufen von vorne und von der Seite betrachtet sollten senkrecht zum Boden stehen. 

Jede Abweichung von der lotrechten Achse, vor allem aber jede Abweichung von einer gedachten geraden Linie durch das Bein (Achsknick) führt zu einer veränderten Belastung von Sehnen und Gelenken. Das kann, muss aber nicht problematisch sein, entscheidend sind vor allem Nutzungsintensität und Böden. Viele Pferde kommen mit kleineren Abweichungen aber sehr gut zurecht und sind uneingeschränkt reitbar.

Pferd Mittelhand

Mittelhand

Der Widerrist zählt eigentlich noch zur Vorhand, ist aber der Übergang in den Rücken. Idealerweise sollte er mittelhoch und mittelbreit sein und harmonisch in den Rücken verlaufen. Beim Reitpferd verursacht sowohl ein zu hoher als auch ein zu kleiner oder kaum vorhandener Widerrist wie bei vielen Ponyrassen Schwierigkeiten, einen passenden Sattel zu finden. Ein solches Pferd kann daher einen Maßsattel benötigen oder nur mit bestimmten Sattelmodellen reitbar sein.  Der Rücken selbst sollte vom Ende des Widerrist sanft nach oben zur Kruppe verlaufen. Ein stark eingetiefter Senkrücken ist nicht nur optisch ein Problem, sondern kann das Pferd auch unreitbar machen. Ein Karpfenrücken (Aufwölbung hinter der Sattellage) dagegen macht den Rücken stabil, erschwert aber die Gymnastizierung. 

Auch der Übergang zur Hinterhand ist wichtig: Wirkt dieser abgehackt oder stark eingeschnürt, spricht man von einer schwachen Lende und damit von einem weniger tragfähigen Rücken.

Pferd Rückhand

Hinterhand

Hier ist alles eine Frage der Winkel. Generell ist beim Reitpferd eine schräg nach hinten abfallende Kruppe gewünscht, mit gut gewinkelten Hinterbeinen. Im Kniegelenk gelten dabei etwa 90° als ideal, im Sprunggelenk 120 bis 140 Grad. 

Je größer diese Winkel sind, desto gerader das Hinterbein und desto schwerer fällt es dem Pferd, seine Hinterhand zu beugen. Während das höhere Dressurlektionen, Sprünge oder anspruchsvolle Westernmanöver erschweren kann, stört das im normalen Freizeitreiteralltag kaum. Dennoch sollte die Winkelung der Hinterhand, und damit die Fähigkeit des Pferdes sein Becken zu kippen, beim Training berücksichtigt werden.  Schließlich ist die Hinterhand der Motor des Pferdes und dafür verantwortlich, dass sich der Rücken aufwölbt und das Pferd das Reitergewicht lange unbeschadet tragen kann. 

Fazit

Zum Schluss muss noch erwähnt werden, dass das beste Exterieur nichts nutzt, wenn das Interieur (Charakter und Leistungswillen) nicht stimmt. Umgekehrt kann ein gutes Interieur so manchen Gebäudemangel wettmachen, wenn das Pferd sich bemüht, auch Bewegungen auszuführen, die ihm schwer fallen. Der Reiter leistet seien Beitrag dazu mit sinnvoller Gymnastizierung.

Tags: Pferde & Haustiere, Tier Wiki
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