Ratgeber: Pferderassen Ein Überblick über die Charaktereigenschaften

Verschiedene Pferderassen und typische Eigenschaften

Eines vorweg: Natürlich sind Pferde immer Individuen mit ihrem ganz eigenen Charakter, ihren eigenen Verhaltensweisen und Talenten. Dennoch lassen sich bei bestimmten Rassen oder Pferdetypen gehäuft bestimmte Charaktereigenschaften finden. Der Grund dafür liegt in einer Selektion durch Zuchtauswahl oder Umweltbedingungen. Für bestimmte menschliche Verwendungszwecke sind eigene Eigenschaften sinnvoller als andere, ähnlich dem Springvermögen beim Springpferd, das bei einem Quater Horse fehl am Platze wäre. Dafür muss das Springpferd nicht unbedingt über den „Cow Sense“ verfügen. Bei den Umweltbedingungen gilt, dass einzelne Pferde, die unpassende Eigenschaften aufwiesen, sich durch natürlich Auslese selbst eliminierten. Wer im Gebirge zu schnell flüchtete, fiel in die Schlucht; wer in der Steppe zu lange zögerte, wurde vom Raubtier gefressen. Welche Charaktereigenschaften finden sich nun bei welchen Rassen heute noch vermehrt? Hier im Ratgeber ist ein grober Überblick der häufigsten Pferdetypenin Europa und was sie von einander unterscheidet.

Vollblutaraber, englische Vollblüter, Achal Tekkiner, Traber und ähnlich hochblütige Pferderassen

Blüter-Typen wird oft nachgesagt, sie wären hysterisch und würden spinnen. Das ist so jedoch nicht richtig. Die Urahnen Pferde stammen ursprünglich aus freien, weiten Steppen oder Halbwüsten, in denen kaum Hindernisse lauerten. Dafür war schnelle Reaktion und Flucht überlebenswichtig. Diese Charaktereigenschaften haben sich die Blüter in ihren Grundzügen bis heute bewahrt, teilweise verstärkt durch die Zuchtauslese. Gewünscht wurden reaktionsschnelle, leistungsbereite Tiere, die sich gerne ausdauernd und/oder schnell bewegen. Nur diese gewannen Rennen, sprangen schnell vom Start ab, wenn das Startsignal kam und waren auch in hohem Tempo geschickt auf den Füßen. Wer sich also ein Pferd im Blüter-Typ anschafft, muss sich bewusst sein, dass es sich wahrscheinlich um ein sensibles, reaktionsschnelles Tier handelt. Sie nehmen Veränderungen oder ungewöhnliche Gegenstände eher wahr als andere Pferde und neigen im Zweifelsfall zur Flucht – der Ursprung ihres Rufes als Hysteriker. Gut ausgebildet sind das jedoch feine, motivierte Reitpferde.

Haflinger, Isländer, Shetlandponys und andere, eher ursprüngliche Ponyrassen

Ponys sind stur, faul, eigensinnig und verfressen – so zumindest lautet das weitverbreitete Klischee. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch richtig, doch die menschliche Einschätzung der Charaktereigenschaften ist eher ein Missverständnis dieser Tiere. Sie alle kommen aus Gegenden, in denen Futter rar, die Landschaft rau und der Boden mitunter tückisch war. Ein falscher Tritt auf einer kopflosen Flucht, und schon war das jeweilige Pferd auf Nimmerwiedersehen im Sumpf, Treibsand oder einer Felsspalte verschwunden. Außerdem wurden diese Rassen speziell für den Lastentransport in unwegsamem Gelände gezüchtet. Hier war Eigeninitiative und Besonnenheit gefragt, um Mensch und Tier sicher wieder nach Hause zu bringen. Eigenständiges Handeln ist bei diesen Rassen daher eine eigentlich erwünschte Charaktereigenschaft, die nur heute abseits von Saumpfaden und Sumpflandschaften nicht mehr benötigt wird. Statt also auf ein „stures“ Pony zu schimpfen, sollte der Mensch lieber bei sich selbst ansetzen und herausfinden, warum das Tier der Meinung ist, die Anweisung sei nicht sinnvoll.

Ein Pferd frisst eine Karotte aus der Hand.

Kaltblüter wie Noriker, Schwarzwälder Füchse, Rheinisch-Deutsches Kaltblut oder Shire Horses

Ein Shire Horse ist ein Kaltblüter.

Kaltblüter wurden in unterschiedlichen Varianten gezüchtet, um lange Zeit ruhige, aber schwere Arbeit im Schritt zu verrichten. Bei Bedarf sollten sie aber kurzfristig sehr viel Kraft aufbringen können. Unruhige, hektische oder ungehorsame Pferde waren vor dem Pflug oder der Kutsche nicht brauchbar. Sie hätten zu viel Energie verschwendet und die Menschen, die mit ihnen arbeiten mussten, gefährdet. Entsprechend sind Kaltblüter auf innere Gelassenheit, Mut, Leistungswillen und hohe Kooperationsbereitschaft selektiert worden. Das kann man auch noch bei den modernen Vertretern dieser Rassen beobachten. Nicht verwechseln solltest du aber die grundsätzliche Gelassenheit mit Faulheit oder „Gemütlichkeit“. Kaltblüter wollen und müssen arbeiten, damit sie zufrieden und ausgeglichen sind. Zugleich sind diese Pferdetypen trotz ihres eher robusten Äußeren sehr sensibel und feinfühlig, wehren sich aber recht schnell, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen. Schließlich hing in früheren Zeiten teilweise die Gesundheit ihrer Menschen von ihren Entscheidungen ab. Das solltest du im Umgang mit diesen sanften Riesen nie vergessen.

Quater Horses, Lusitanos, Camarguepferde und weitere typische Arbeitspferderassen

Arbeitspferderassen wurden auf einen bestimmten Zweck selektiert: Sie sollten den Menschen bei der Hütearbeit unterstützen. Diese Rassen sind daher relativ unerschrocken und gelassen, allerdings haben sie auch eine sehr kurze ‚Leitung‘, da sie im „Ernstfall“ sofort reagieren mussten. Viele Vertreter solcher Pferderassen denken auch ausgesprochen eigenständig und erfordern einen sehr feinfühligen, konsequenten Reiter, da sie sonst schnell schwierig werden können. Quarter Horses, Paint Horses und Appaloosas sind hier eine Ausnahme, da bestimmte Linien auf andere Eigenschaften wie bequeme Gänge oder Nutzung als reines Reitpferd gezüchtet wurden. Diese ähneln vom Charakter mehr modernen Reitpferden und haben einen ausgesprochenen „Will to please“, wollen also ihrem Reiter unbedingt gefallen.

Friesen, PRE, Lipizzaner und Co. – die „Repräsentativen“

Die oft sogenannten Barockpferderassen beeindrucken mit imposanten Bewegungen, üppigem Langhaar und einer stolzen Ausstrahlung. Und beeindrucken sollten diese Pferderassen von Anfang an. Es war nicht wichtig, ob diese Pferde besonders schnell rennen, gut springen oder lange Zeit arbeiten konnten. Sie sollten für den Adel mit Ausdruck, Rittigkeit und Leistungswillen bei Paraden, Zeremonien oder anderen öffentlichen Auftritten repräsentative Begleiter sein. Dafür mussten diese Pferde natürlich auch sehr nervenstark und gehorsam sein. Um bis zu höchsten Lektionen ausgebildet werden zu können, mussten sie auch über eine gewisse Lernbereitschaft verfügen. Und genau das sind die Charaktereigenschaften, die auch heute noch so geschätzt werden: Leistungswillen, Gelassenheit, Lernbereitschaft und Freude am sich selbst präsentieren. Solche Pferde machen einfach gerne Show.

Moderne Warmblüter und Reitponys

Moderne Warmblüter und Reitponys sind wohl die inhomogenste Gruppe. Trotzdem sind gewisse Charaktereigenschaften bei den meisten Vertretern dieser Pferderassen zu erkennen. Dabei handelt es sich um eine Mischung verschiedener Eigenschaften der Pferdetypen, aus denen diese Rassen entstanden. Von den Vollblütern kommt Spritzigkeit und schnelle Reaktion, von den eher schweren Pferdetypen der Wille zu gefallen und der Leistungswillen. Da aber zu Beginn der Zucht teilweise stark auf Gang- oder Springvermögen selektiert wurde, gibt es bei diesen Pferderassen immer noch sehr schwierige Charaktere. Heute präsentieren sich moderne Warmblüter aber meist sehr leistungsbereit, rittig, willig und freundlich. Dennoch sollte man nicht unterschätzen, dass diese Pferde nicht nur arbeiten wollen, sondern auch müssen, um ausgeglichen und gelassen zu sein.


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