Pferd zeigt seine Zähne

Anatomie des Pferdes - Zähne Wie viel Aufmerksamkeit benötigen die Zähne eines Pferdes?

Was musst Du als Pferdebesitzer beachten?

Die Zähne des Pferdes sind, wie bei allen Individuen, an seine entsprechende Ernährungsweise angepasst und werden somit dem Pflanzenfressergebiss zugeordnet. Nun hat das domestizierte Pferd jedoch ein anderes Nahrungsangebot als ein Wildpferd. Wie wirkt sich das auf die Zähne der Tiere aus?

Theorie zum Thema Pferdezähne

Wie bei den meisten Haussäugetieren durchläuft auch das Gebiss des Pferdes zwei Dentitionen, was bedeutet, dass ein Milchgebiss von einem Dauergebiss abgelöst wird. Charakteristisch weist der Backenzahnbereich des Pferdes eine physiologische Anisognathie (anisos= ungleich) auf. Das heißt, der Unterkiefer und seine Zähne stehen enger aneinander als der Oberkiefer, weshalb sich die entsprechenden Kauflächen nicht vollständig berühren können. Der Grund hierfür ist die Anpassung an den artspezifischen Kauschlag des Pferdes.

Grundlegend werden im Pferdegebiss vier verschiedene Zahntypen unterschieden:

  • Schneidezähne (Dentes incisivi)
  • Eckzähne (Dentes canini)
  • Vordere Backenzähne (Dentes premolares)
  • Hintere Backenzähne (Dentes molares)

Somit ergeben sich insgesamt max. 28 Zähne im Milchgebiss, die dann durch Ersatzzähne im Dauergebiss abgelöst werden, sowie hinzukommend max. 16 „Zuwachszähne“ im permanenten Gebiss. Ein erwachsenes Pferd besitzt dementsprechend max. 44 Zähne.

Schneidezähne (Dentes incisivi)

Das Pferd besitzt insgesamt 12 permanente Schneidezähne, welche eine Gesamtlänge von 7,5 cm erreichen können. Lange Zeit wurde die Altersbestimmung eines Pferdes anhand seiner Schneidezähne durchgeführt. Nun ist jedoch bekannt, dass verschiedene Rassen, die Haltung sowie ungleiches Futter zu ganz unterschiedlichen Schneidezahnausprägungen führen und somit nur annähernd eine Altersschätzung durchgeführt werden kann. Der Zahnwechsel der Schneidezähne beginnt mit etwa 2,5 Jahren und ist mit etwa 4,5 Jahren mit den Eckschneidezähnen abgeschlossen. Das Pferd wechselt dabei zuerst die mittleren, sowie danach schrittweise folgend bis zu den äußeren Schneidezähnen. Nach dem Zahndurchbruch vergehen noch etwa 6 Monate, bis zur ersten Zahnabnutzung. Jährlich entsteht dabei ein Abrieb von etwa 2 mm. Mit fortschreitenden Alter verändert sich der Winkel zwischen den Zähnen des Unter- sowie Oberkiefers. Stehen die Zähne am Anfang noch relativ senkrecht aufeinander, entwickelt sich über Jahre hinweg ein flaches „Winkelgebiss“. Aufgrund dieser altersbedingten Stellungsänderung der Schneidezähne kann es jedoch, besonders im Bereich der Eckschneidezähne, zu Hakenbildungen durch falschen oder fehlenden Abrieb kommen. Dies wird auch „Einbiss“ genannt und sollte unbedingt von einem Zahnspezialisten korrigiert werden.

Eckzähne

Die insgesamt 4 Eckzähne werden auch als „Hengstzähne“ oder „Hakenzähne“ bezeichnet. Trotz ihres geschlechtsspezifischen Namens werden sie embryonal auch bei 25 – 30 % der Stuten angelegt, wobei tatsächlich bei nur 2 – 3 % der Tiere die Zähne in das Maul vorgeschoben werden. Bei männlichen Tieren sind sie größtenteils immer zu finden, wobei sie in ihrer Position, Größe sowie Gestalt variieren können. Für das Pferd sind diese Zähne nicht überlebensnotwendig, da sie bei der Nahrungsaufnahme sowie -zerkleinerung keine Rolle spielen. In der Regel berühren sich gegenüberliegende Eckzähne nicht und sind deshalb auch keinem Abrieb ausgesetzt. Dies kann jedoch dazu führen, das die Zähne sehr lang und scharfkantig werden, was Verletzungen in der Maulhöhle nach sich zieht. Dies sollte unbedingt korrigiert werden.

Erste vordere Backenzähne (Dentes premolares)

Der erste Prämolare wird auch „Wolfszahn“ genannt und ist meist im Oberkiefer, seltener im Unterkiefer zu finden. Er gilt als rudimentärer Zahn und kann auf beiden Seiten des Kiefers vorkommen. Ihnen wird, ähnlich wie bei den Eckzähnen des Pferdes, keine lebensnotwendige Funktion zugeteilt. Die „Wolfszähne“ sind meist stiftchenförmig und einwurzelig. Es ist ungeklärt, ob sie dem Milch- oder Dauergebiss zugehörig sind. Auch ist es möglich, dass die ersten Prämolaren im Zahnfleisch verborgen bleiben. Vor dem Einreiten eines Pferdes ist unbedingt darauf zu achten, ob das Pferd entsprechende Wolfszähne besitzt oder nicht, da sie bei der Verwendung eines metallischen Gebisses beim Reiten das Pferd zu stören scheinen. Ein Zahnarzt für Pferde oder Dentist kann hier in die Maulhöhle schauen und die störenden Zähne operativ entfernen. Dies ist kein großer Eingriff und sollte unbedingt durchgeführt werden, um dem Pferd keine Schmerzen durch das Benutzen eines Gebisses zuzufügen.

Funktionelle vordere sowie hintere Backenzähne (Dentes molares)

Im Gegensatz zu den hinteren Backenzähnen besitzen die Prämolaren (funktionelle vordere Backenzähne) Milchzahnvorläufer und gehören damit zu den Ersatzzähnen. Die Molaren schieben sich dagegen als Zuwachszähne in den Kiefer. In Folge der Evolution haben sich die funktionellen Prämolaren innerhalb ihrer Gestalt an die Molaren (hinteren Backenzähne) angeglichen. Die Meisten besitzen die Form einer vierkantigen Säule. Der Durchbruch der Backenzähne beginnt bereits pränatal bzw. innerhalb der ersten 14 Lebenstage mit den Prämolaren 2 - 4 und ist im Alter von etwa 4 Jahren mit den Molaren 3 abgeschlossen. Jeweils 6 Monate nach dem Durchbruch haben die Zähne ihre funktionelle Position erreicht und können mit ihren Antagonisten arbeiten.

Alle Zähne des Pferdes, bis auf die Eckzähne („Hengstzähne“) sowie die ersten Prämolaren („Wolfszähne“), zählen zu den hypsodonten Zähnen. Dies bedeutet ein fortlaufendes Wachstum der Zähne und hat den evolutionären Hintergrund die Abnutzung der Zähne durch das abrasive Futter der Pferde mit genügen Zuwachs zu kompensieren. Dabei kann ein jährlicher Zahnabrieb von etwa 2 – 4 mm stattfinden. Mit erhöhtem Alter wird dieses Zahnwachstum jedoch kontinuierlich eingestellt und die Zähne werden kürzer. Dies ist der Unterschied zu hypselodonten Zähnen wie z.B. die Schneidezähne von Nagetieren. Bei diesen wächst die Zahnkrone ein Leben lang und bildet nie Wurzeln aus.

Evolutionär wurde das Gebiss des Pferdes also so angelegt, dass es der Abnutzung des rauen Futters entgegenwirken kann, indem es mit Zuwachs reagiert. Die heutigen Sport- und Freizeitpferde jedoch bekommen oft „zu weiches“ Futter. Üppige, saftige Graswiesen und Kraftfutter sind kein ideales Futter wenn es um die Abnutzung der Zähne geht. Ein Pferd sollte 24 Stunden am Tag gutes, qualitativ hochwertiges und raues Heu zur Verfügung haben. Nicht nur den Zähnen kommt dies zu Gutes, auch der gesamte Verdauungsapparat profitiert davon und letztendlich auch der Reiter, der mit einem gesunden und zufriedenen Pferd arbeiten kann. Aber auch wenn man seinem Pferd bestmögliche Haltungsbedingungen bieten kann, sollte die medizinische Kontrolle des Gebisses nicht außer Acht gelassen werden. Unter Beachtung der beschriebenen Angaben unterliegt das Pferdemaul ständigen Prozessen im Rahmen von Zahnwechsel und -wachstum bis es im Alter von 5 Jahren dann im Normalfall ein komplettes sowie entsprechend funktionierendes Dauergebiss aufweist. In dieser Zeit kann es immer wieder zu Schmerzempfindungen sowie Verletzungen der Schleimhäute des Pferdes kommen. Zahnfehlstellungen und Läsionen in der Maulhöhle können beim Pferd darüber hinaus zu Blockaden im Kiefergelenk- sowie Nackenbereich führen und in fortwährenden Fällen zu Reaktionen beim Reiten führen, die fälschlicherweise als Ungehorsam interpretiert werden. Gerade beim jungen Pferd bis etwa 10 Jahre ist das Zahnwachstum erhöht bevor es langsam und kontinuierlich abnimmt. In dieser Zeit ist es besonders wichtig einen Spezialisten für Pferdezähne das Gebiss des Pferdes kontrollieren zu lassen. Dies sollte spätestens das erste Mal VOR dem Einreiten des Pferdes bis zu einem Alter von 10 Jahren halbjährig geschehen und danach mindestens jährlich wiederholt werden damit Hakenbildungen und Fehlstellungen frühzeitig bearbeitet werden können, bevor sie dem Pferd Schmerzen zufügen.

Achtung! Erkundige dich bei der Wahl des richtigen Zahntherapeuten über dessen Ausbildung. Jeder Mensch wählt bei Problemen mit seinen Zähnen einen Zahnarzt und nicht den Allgemeinmediziner. Auch bei Pferden sollte darauf geachtet werden, da nicht jeder Tierarzt über eine entsprechende Qualifikation verfügt.

Quelle:

Mülling, C., Pfarrer, C., Reese,S., Kölle, S., & Budras, K.-D. (2014). Atlas der Anatomie des Pferdes. Hannover: Schlütersche Vertragsgesellschaft mbH & Co. KG.

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