Dressur von Pferden Sinnvoll oder schädlich?

Ist die Kritik an Dressur berechtigt?

Die Pferdedressur als Sportsparte der Reiterei stand in den vergangen Jahren wiederholt in der Kritik. Unschöne Bilder von Rollkur, blauen Pferdezungen und nicht zuletzt der Start des deutlich lahmen „Wunderhengstes“ Totilas bei einem internationalen Championat scheinen zu beweisen, dass Dressur alles andere als pferdefreundlich ist. Viele (Freizeit-)Reiter lehnen daher „Dressur“ als solche generell ab. Doch das ist ein für die Pferde teilweise fataler Irrtum. Meint „Dressur reiten“ doch eigentlich die Gymnastizierung des Pferdes unter dem Reiter mit dem Ziel, das Pferd möglichst lange gesund zu erhalten. Entsprechend gibt es auch nicht nur eine Art von Dressur, sondern zumindest drei Hauptströmungen: Dressur im Sinne der modernen FN-/Englischreiterei, klassisch-barocke (akademische) Dressur und die Dressur der Western- und Arbeitsreiter. Innerhalb der Kategorien gibt es selbstverständlich verschiedenste Richtungen, nicht alle würden das, was sie tun, als Dressur bezeichnen. Aber alle haben dasselbe Ziel – ein rittiges, geschmeidiges Pferd, das gerne und motiviert mitarbeitet.

Wie konnte es also zu den negativen Assoziationen kommen, die der Begriff Dressur auslöst, wenn es sich dabei doch um eine grundsätzlich sehr pferdefreundliche Sache handelt? Wieso gibt es diese unschönen Bilder überhaupt, wenn doch für und nicht gegen das Pferd gearbeitet werden sollte? Nun, vereinfacht gesagt handelt es sich bei solchen Dingen wie Rollkur (die nicht nur auf den Dressursport beschränkt sind) schlicht um schlechtes Reiten. Eine falsche Umsetzung der jeweiligen Ausbildungswege oder der Versuch, das langwierige Training abzukürzen, führen zu überforderten Pferden, die das Gewünschte gar nicht ausführen können. Um das zu kompensieren, werden scharfe Gebisse oder andere „Hilfsmittel“ eingesetzt – und fertig ist das schlechte Image der Dressur. Was ist aber nun pferdefreundliche Dressur? Wie erkennt man das in den jeweiligen Sparten? Und welche Dinge sind schlicht schlechtes Reiten? Hier kommt ein grober, sehr allgemein gehaltener Überblick.

Dressur in der englischen/FN-Reitweise (Dressursport)

Da bei den meisten Menschen, Reiter und Nichtreiter, „Dressur“ wohl mit dem Dressursport auf den internationalen Turnieren verknüpft ist, betrachten wir diesen Bereich als erstes. Die Dressur der deutschen FN-Reitweise hat ihre Ursprünge in der Kavallerie. Dressur meinte die Schulung leichterer oder schwerere Warmblüter mit dem Ziel, sie für den Kriegseinsatz rittig, gehorsam und geschmeidig zu machen. Kavalleriepferde mussten in unwegsamem Gelände zurecht kommen, einhändig zu kontrollieren sein – und vor allem möglichst lange „halten“. Es war also im Interesse der Reiter, das Pferd so auszubilden, dass es seinen Job für viele Jahre erledigen konnte. Komplizierte Bewegungen waren nicht notwendig, dafür ausbalanciertes Vorwärts. Die „Skala der Ausbildung“ spiegelt diese Herkunft wieder: Takt – Losgelassenheit – Anlehnung – Schwung – Geraderichtung – Versammlung. Ziel der Dressur ist ein zufriedenes, durch den Körper schwingendes Pferd, das von hinten an die Hand herantritt. Dieses baut die richtigen Muskeln an den entsprechenden Stellen auf und ist in der Lage, das Reitergewicht unbeschadet zu tragen.

Eine dahingehende Ausbildung wäre demnach für jedes Reitpferd sinnvoll, zumindest auf den unteren fünf Stufen. Versammlung kann, muss aber nicht Teil des Trainings sein. Schädlich wird es dort, wo die Ausbildungsskala falsch verstanden wird. Schwung wird zum übereilten, unbalancierten Gerenne, Anlehnung mit Hilfszügeln erzwungen, Hauptsache Kopf runter. Lektionen zur Geraderichtung, etwa Seitengänge, sind nur noch Selbstzweck, Takt und Losgelassenheit gehen völlig verloren, dafür bewegt sich das verspannte Pferd spektakulär. Das ist enorm verschleißend für Sehnen und Gelenke, war aber leider über Jahre im Dressursport zu sehen. Mittlerweile scheint sich eine Trendumkehr abzuzeichnen – auf den internationalen Turnierplätzen finden sich immer mehr Pferde, die zufrieden und locker laufen. Am einfachsten erkennbar ist das im Schritt: ein klarer Viertakt mit lockerem Hals und entspannter Mimik des Pferdes spricht für gutes Dressurreiten.

Klassisch-barocke Dressurreiterei

Unter klassisch-barocker Dressur sollen hier einmal alle Arten von Dressurreiterei zusammengefasst werden, bei denen Reiten als Kunst im Mittelpunkt steht. Ihre Herkunft liegt in der höfischen Reiterei des Adels, zu Repräsentationszwecken und als Kriegskunst zu Pferde. Dazu sollte ein Pferd komplizierte Lektionen und spektakuläre Bewegungen beherrschen. Schulen über der Erde, wie Levaden und Kapriolen, sollten Volk, Soldaten und Gegner beeindrucken. Die Ausbildung solcher Tiere hatte Zeit, da die Pferde nicht für einen bestimmten Zweck „funktionieren“ mussten sondern individuell gefördert werden konnten. Ihre meist reichen Besitzer konnten sich ein langsames Training leisten, wenn das Ergebnis nur genug Eindruck machte. Für diese Art des Dressurreitens ist ein anderer Typ Pferd gefragt, mit exaltierten Bewegungen, eher kurz und mit viel Hals, schnelles Vorwärtskommen auf verschiedenen Böden spielte hier keine Rolle.

Entsprechend enthält die Ausbildung schon früh eher komplizierte Bewegungen, Schwung braucht es kaum bis gar nicht, dafür viel Versammlung. Ein auf diese Art gut ausgebildetes Pferd bewegt sich leichtfüßig auf engstem Raum, ist wendig und gut bemuskelt. Durch das schonende Training und die geringe Betonung des Schwungs ist diese Art von Dressur auch für weniger vorteilhaft gebaute Pferde eine gute Alternative. Problematisch wird die klassisch-barocke Reiterei immer dort, wo Versammlung mit langsam verwechselt wird und die von Natur aus vorhandenen mächtigen Hälse und spektakulären Bewegungen über fehlende Ausbildung hinwegtäuschen sollen. Oft sind solche Pferde auch übergewichtig, da das durch die fehlende Bewegung entstandene Fett mangelnde Bemuskelung „kompensiert“. Das ist alles andere als pferdefreundlich, und führt mittelfristig zu schweren Erkrankungen am Bewegungsapparat und/oder Stoffwechselstörungen. Es lohnt sich also genau hinzusehen – und vor allem hinzuhören. Ein gut klassisch-barock ausgebildetes Pferd ist sportlich schlank und leise, der Hufschlag ist in allen Gangarten und Lektionen kaum zu hören.

Dressur in der Arbeitsreiterei

In den Arbeitsreitweisen ist Dressur keine für sich allein stehende Sache. Gymnastizierende Dressurarbeit dient in der Arbeitsreiterei (etwa die verschiedenen Stilrichtungen des Westernreitens, Doma Vaquera etc.) dazu, das Pferd gehorsam und geschmeidig zu machen. Manöver sollen den „Ernstfall“ nachstellen, zum Beispiel das Einfangen einer Kuh. Bei dieser Art von Dressur ist die Außenwirkung egal, Bewegungen sollen effizient und schnell sein, spektakulär würde bei langem täglichen Einsatz nur unnötig verschleißen. Ebenso sind Anlehnung und Versammlung nicht zielführend, beides wäre auf Dauer gesehen für Mensch und Pferd zu anstrengend. Ziel der Dressur ist in diesem Fall ein entspanntes, ausbalanciertes, sich selbst tragendes Pferd, das relativ ermüdungsfrei unter dem Reiter läuft und mit minimalen Signalen zu kontrollieren ist.

Pferd beim arbeitsreiten und RinderIm Grundsatz eine sehr pferdefreundliche Art der Dressur, doch die Zielsetzung kann leicht missinterpretiert werden. Statt entspannt und gelassen zu laufen, „schlurchen“ die Pferde dann im Zeitlupentempo dahin, verlieren jeden Takt und bringen viel zu viel Gewicht auf die Vorhand. Damit die Hilfen minimal sein können, werden Verstärker in Form von scharfen Gebiss und langen Sporen eingesetzt. Und die Manöver sollen statt sinnvolle Vorbereitung auf den Ernstfall möglichst spektakulär sein. Ist eines dieser drei Dinge erkennbar, ist die Reiterei alles andere als pferdefreundlich, egal ob die Reitweise diesen Ruf grundsätzlich hat.


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