Weide mit Pferden

Giftpflanzen für Pferde Der leise Tod auf unseren Wiesen?

Immer wieder werden Giftpflanzen mit Krankheitsanzeichen bei Pferden in Verbindung gebracht. Doch wie häufig ist eine Vergiftung tatsächlich der Fall? Und wie kommt es dazu, dass Pferde über ihren Spürsinn hinweg Giftpflanzen zu sich nehmen? Hier findest du wichtige Hinweise rund um das Thema: der leise Tod auf unseren Wiesen.

Giftpflanzen können überall vorkommen

Es ist Frühling und schon bald startet wieder die Weidesaison für tausende von Pferden. In ein paar Monaten wird dann auch schon gemäht und Futter für den Winter konserviert und getrocknet. Und dann passiert es! Das Pferd der besten Freundin liegt mit Kolikanzeichen in der Box und möchte nicht mehr aufstehen. Drei Boxen weiter hat Seppl dicke Beine und das alte Schulpferd vom Verein ist auf einmal steifer als je zuvor. Es gleicht einem Nierenverschlag, sie bewegt sich keinen Meter mehr. Was ist passiert?

Die Überbewirtschaftung unserer Wiesen gepaart mit immer weniger Wissen um die Grünlandpflege führt uns immer weiter dahin, dass auf unseren Weideflächen Gräser und Unkräuter wachsen, die unseren liebsten Vierbeinern nicht gut bekommen. Ganz im Gegenteil – sie sind giftig für ihren Organismus und können bis zum Tod führen. Viele von Ihnen sind auch in getrockneter Form im Heu noch äußert giftig und verlieren ihre Toxizität nicht. Im Folgenden haben wir einmal häufig auftretende, stark giftige Pflanzen, die auf unseren Wiesen wachsen aufgezählt:

Herbstzeitlose

Diese stark giftige Pflanze sieht aus wie Krokusse und darf in ihrer Toxizität nicht unterschätzt werden. Sie enthält das hochgiftige Alkaloid Colchicin, das nach einigen Stunden Vergiftungserscheinungen hervorruft und zum Tod führen kann. Auch im Heu ist es noch jahrelang giftig und muss deshalb strengstens aussortiert werden.

Jakobskreuzkraut

In einigen Gebieten ist das Johanneskreuzkraut deutlich auf dem Vormarsch. Es enthält verschiedene Pyrrolizidin-Alkaloide, die chronische Lebervergiftungen hervorrufen. Auch diese Pflanze ist in getrocknetem Zustand nach wie vor giftig und darf unter keinen Umständen verfüttert werden. 

 

Blauer Eisenhut

Der blaue Eisenhut zählt zu den giftigsten Pflanzen in Mitteleuropa. Alle Teile der Pflanze sind stark giftig und enthalten vor allem das Alkaloid Aconitin. Die Pferde sterben meist durch Atemlähmung oder Kreislaufversagen.

Nachtschattengewächse wie: Schwarzes Bilsenkraut, Schwarze Tollkirsche („Belladonna“) und Stechapfel

Nachtschattengewächse sind hochgiftig, da auch sie Alkaloide enthalten. Sie können zu Lähmungen im zentralen Nervensystem führen und wirken in höherer Konzentration tödlich.

Graukresse

Die Graukresse ist eine noch recht unbekannt Pflanze in Deutschland und breitet sich hier jedoch immer weiter aus. Sei wächst vor allem auf sandigen Böden und Flächen mit kaputter Grasnarbe. Es häufen sich Fälle, in denen diese Pflanze im Futterheu nachgewiesen wurde und die Pferde an Symptomen wie Hufrehe, Hufgelenksentzündung oder Ödemen an den Gliedmaßen erkrankten.

 

Die oben genannten Pflanzen sind nur eine geringe Anzahl und sollten Beispielhaft betrachtet werden. Im Internet gibt es mittlerweile einige sinnvolle Datenbanken, die alle Giftpflanzen beinhalten und diese sogar nach ihrer Toxizität staffeln. Jeder Pferdehalter und -besitzer sollte sich näher mit dieser Thematik beschäftigen und nicht einfach füttern, was Bauer Heinz von nebenan eben in der Scheune liegen hat.

Neben den Gefahren auf der Weide gibt es auch eine große Anzahl an Pflanzen, die im Garten wachsen und als Abtrennungen (Hecken) oder einfach nur als Zierpflanzen gezogen werden. Auch hier ist große Vorsicht geboten! Darunter zählen unter anderem: Efeu, Blauregen, Adlerfarn, Lebensbaum, Lupinien, Rhododendron, Wolfsmilch-arten und viele mehr.

Doch wie kommt es dazu, dass sich Pferde vergiften. Haben sie nicht einen natürlichen Instinkt, der ihnen sagt, was giftig ist und was nicht? - Zur Beruhigung, ja diesen Instinkt gibt es immer noch! Auch wir Menschen haben den im übrigen immer noch. Nur wird er uns durch die verarbeitete Nahrung, wie wir sie mittlerweile bevorzugen, abtrainiert. Und auch der Instinkt der Pferde leidet unter dem chemisch hergestellten Mischfutter der heutigen Zeit. Beim Instinkt unserer Pferde kommt es also nicht auf ihre Züchtung an, sondern auf ihre Haltung und Fütterung!

Beginnen wir mit der Grundnahrung : Heu. Die meisten Pferde werden in ihrer Grundnahrung schon eingeschränkt indem Heu abgewogen oder nur an bestimmten Zeiten am Tag zur Verfügung steht. Viele Pferde haben lange Fresspausen, die sehr ungesund für sie und ihren Organismus sind. Das sind auch die Pferde, die dazu neigen Giftpflanzen zu fressen. Einfach aus hunger. Und das passiert gerade den Pferden, die im Sommer 24 Stunden auf abgegrasten Wiesen stehen und kein Heu zugefüttert bekommen. Im Winter ist das Hauptproblem, dass die meisten Pferde ihr Heu nicht wählen können. Es gibt meist portioniertes Heu von der selben Wiese. Sollten sich in diesem Heu Giftpflanzen befinden, hat das Pferd keine Chance zur Wahl, da es ja nur dieses Heu zur Verfügung hat. Hier passt der Spruch „der Hunger treibt‘s rein“. In der Wildnis streifen die Pferde dauerhaft herum und haben immer die Möglichkeit andere Wiesen zu wählen. Deswegen ist es wichtig, auch im Winter darauf zu achten den Pferden unterschiedliches Heu von verschiedenen Wiesen anzubieten.

Dieses Thema, der leise Tod auf unseren Wiesen, kann noch deutlich ausgeweitet werden. Würde allerdings den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Wichtig ist, setzt euch mit euren Wiesen auseinander! Schaut euch das Heu genau an, das ihr füttert! Und gebt den Pferden die Möglichkeit IMMER genug Futter zur Verfügung zu haben und dieses auch aussortieren zu können.

Geeignetes Futter und Einstreu für dein Pferd