Ratgeber: Die Intelligenz der Pferde Wie denken meine Pferde?

Pferde - sind sie intelligent?

Pferde stehen zusammen auf einer Koppel.

Pferde haben vielleicht große Köpfe, doch ihr Gehirn ist im Vergleich zu Rest des Körpers recht klein. Zudem erschrecken sie sich vor scheinbar harmlosen Dinge wie Plastiktüten oder flatternden Jacken. Auch bei sorgfältiger Gewöhnung scheint die blaue Plane auf der Baustelle etwas ganz anderes, gefährlicheres, zu sein als die blaue Plane auf dem heimischen Reitplatz. Hängt ein Pferd fest, zieht es nur noch mehr, wo es doch mit einfachem Nachgeben sich selbst befreien könnte. Gleichzeitig scheinen sich Pferde ihrer eigenen Größe und Stärke nicht bewusst zu sein und lassen sich von einem Menschen, der etwa ein Zehntel von ihnen wiegt, beeindrucken. Bei manchen Tieren hat man auch den Eindruck, sie wüssten nicht ganz, dass sie vier Beine hätten, oder dass ihre Hinterhand auch noch zu ihnen gehört.

Hunde und auch Katzen lernen im Vergleich scheinbar viel schneller. Kleines Gehirn, ungeschickt und die Tatsache, dass Gegenstände in einer anderen Farbe oder an einer anderen Stelle nicht mehr erkannt werden – Pferde scheinen dumm zu sein. Aber sind sie das wirklich? Unser Ratgeber klärt auf.

Die Größe macht den Unterschied?

Größer ist besser, mehr Gehirnmasse verspricht höhere Intelligenz, sollte man meinen. Zumindest, wenn das relativ zur Körpermasse (für beide Werte wird der Durchschnitt der Spezies zur Berechnung heran gezogen) betrachtet wird. Dass dies innerhalb einer Art Unsinn ist, ist schon lange bewiesen. Die Intelligenz hängt von der Anzahl der Gehirnwindungen bzw. dem Grad der neuronalen Vernetzung im Gehirn ab. Doch das Gehirn des Pferdes mit 400 bis 700 Gramm macht nur etwa 0,1 Prozent des Körpergewichts des erwachsenen Pferdes aus. Beim Menschen sind das rund 1,5 bis 2 Prozent – das 15- bis 20-fache. Das würde doch darauf hin deuten, dass Pferde wesentlich dümmer sind als Menschen?

Falsch, denn zum einen gibt es Tierarten mit einem im Verhältnis größeren Gehirn als der Mensch, die auch nicht unbedingt intelligenter sind. Zum anderen ist die Intelligenz des Pferdes evolutionsbedingt eine andere. In manchen Bereichen sind Pferde dem Menschen kognitiv sogar deutlich überlegen, etwa im Einschätzen von Bewegung oder beim Erkennen von Emotionen. Von der Größe des Gehirns auf die Intelligenz schließen zu wollen, wäre also nicht fair den Pferden gegenüber.

Die Evolution als bestimmender Faktor

Nun denken Pferde zweifellos anders als Menschen, Hunde oder Katzen. Ein großer Teil dieses Unterschieds erklärt sich allein aus der Evolution der verschiedenen Spezies. Menschen, Hunde und Katzen leben in sozialen Verbänden und jagen vor allem auch in solchen. In einer Gruppe zu jagen erfordert aber die Entwicklung einer Strategie und geplantes, gemeinsames Vorgehen. Das Pferde als Flucht- und Beutetier braucht diese strategische Abstimmung allerdings nicht. Hier bestimmt das oder die zuständige(n) Leittier(e), ob, wann und wohin geflüchtet wird. Diese Art zu denken ist Pferden also fremd.

Ebenso wäre Lautsprache auf Dauer für ein Beutetier eher schädlich, würden ständige Lautäußerungen möglichen Beutegreifern doch viel zu genau die eigene Position verraten. Auch die vermeintlich „dumme“ Schreckhaftigkeit des Pferdes rührt daher. Ein Pferd, das vor einer Flucht erst überlegte, ob der Säbelzahntiger wirklich gefährlich ist, wurde gefressen. Andererseits war auch ständige, kopflose Flucht schädlich. Wer flüchtet, kann nicht fressen oder stürzt am Ende vielleicht sogar in eine Schlucht. In beiden Fällen wäre auch hier das Pferd gestorben und würde sich nicht vermehren können.

Lernt ein Pferd schlechter als ein Hund?

Hunde und auch Katzen lernen scheinbar leicht und sind gut zu trainieren, Hunde besser, Katzen etwas schwieriger. Pferdeausbildung dagegen ist langwierig, die Pferde brauchen lange um so „einfache“ Dinge wie sich satteln oder reiten lassen zu lernen. Das liegt aber nicht an der vermeintlichen Dummheit der Pferde, sondern an der falschen Art des Trainings. Ein Hund oder eine Katze sind im Denken Menschen doch recht ähnlich. Sie sind „programmiert“ ein gelerntes Verhalten zu zeigen, um an Nahrung zu gelangen. Ein Pferd muss das von Natur aus nicht – das Gras wächst einfach so zu seinen Füßen. Pferde arbeiten nicht naturgegeben für Nahrung, Wasser oder Sicherheit, sie müssen erst lernen, dass auf ein gewünschtes Verhalten eine Belohnung folgt. Ebenso reagieren sie besser auf Körpersprache denn auf Lautäußerungen, schließlich wird untereinander auch fast rein nonverbal kommuniziert. Mit einem entsprechenden Training, bei der der Mensch sich an die Denk- und Verhaltensmuster des Pferdes anpasst, lernen die Tiere normalerweise schnell und erfolgreich.

Spezialgebiet soziale Interaktion

Pferde besitzen eine ausgeprägte sogenannte emotionale Intelligenz. Da sie großteils nonverbal kommunizieren, sind sie Meister darin, Stimmungen, Gefühle und Körpersprache zu lesen. Und das nicht nur untereinander, sondern auch beim Menschen. Einige Pferde können dies auch bei anderen Spezies wie Kühen – der viel gerühmte Cowsense ist beispielsweise „nur“ die Fähigkeit, die Körpersprache und Mimik der Kuh zu lesen und blitzschnell darauf zu reagieren. Ein Mensch wäre viel zu langsam dabei.

Gut sozialisierte Pferde haben untereinander kaum Konflikte, sofern es sich um eine stabile Gruppe mit genügend Platz zum Ausweichen handelt. Feine Gesten oder die Mimik allein reichen, um Dinge zu regeln. Ein Mensch muss einem Pferd dagegen sehr laut, sehr ungeschickt und sehr tölpelhaft vorkommen. Wenn du lernst, mit ebenso feinen körpersprachlichen Signalen zu kommunizieren wie ein Pferd, wirken die Tier plötzlich deutlich gelassener, motivierter und kooperativer. Die Intelligenz der Pferde zeigt sich vor allem in ihrer Fähigkeit und in ihrem Willen, unsere Sprache zu lernen. Täten sie das nicht und würden ihre körperliche Überlegenheit ausnutzen, wir Menschen wären viel zu dumm und wenig reaktionsschnell, um hier entgegen zu wirken.

Pferdige Intelligenz – von Ausbrecherkönigen bis Lebensrettern

Es gibt sie aber auch, die Einsteins unter den Pferden. Diese öffnen Knoten, Stalltüren und Weidezäune, brechen in jede Futterkammer ein – und treiben ihre Besitzer in den Wahnsinn. Nichts ist vor ihnen und ihrer Neugier sicher. Andererseits sind selbstständig denkende Pferde etwa bei der Wald- oder Rinderarbeit, auf langen, schwierigen Geländeritten, im Spring- oder Vielseitigkeitssport oft die Lebensversicherung für ihren Menschen. Die schnelleren Reflexe, die feinere Wahrnehmung der Umgebung und die empfindlicheren Sinne der Pferde führen zwar manchmal zu unverständliche Reaktionen wie einem Scheuen vor der Plastiktüte. Doch ebenso oft werden Geschichten von Pferden erzählt, die ihren Reiter gerettet haben, weil sie sich weigerten, auf den tückischen Treibsand oder rutschenden Hang zu treten. Pferde sind doch manchmal schlauer als der Mensch.


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