Pferdestall viele Innenboxen mit Pferden

Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen Das Stallgebäude

Die Leitlinien für Pferdehaltung, herausgegeben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, berücksichtigen grundsätzlich verschiedene Arten von Pferdehaltung. Diese erstrecken sich über Einzel- oder Gruppenhaltung mit Boxen oder Offenstall und großer Freilauffläche. Alle Möglichkeiten besitzen jeweilige Richtwerte, an die sich gehalten werden sollte.

 

Wichtigste Maße auf einen Blick

 

Das Stallgebäude

 

Einzelhaltung - Box

Gruppenhaltung geschloßener Laufstall

Gruppenhaltung Offenlaufstall mit Auslauf ohne Trennung von Liege- und Fressbereich

Gruppenhaltung Offenlaufstall mit Auslauf mit Trennung von Liege- und Fressbereich

Lichte Deckenhöhe

≥ 1,5 x Wh → Empfehlung für Neubauten: ≥ 2 x Wh

≥ 2,5 x Wh

 

 

Fläche

≥ (2 x Wh)2

→ für Stute mit Fohlen (2,3 x Wh)2

≥ (2 x Wh)2 /Pferd (Angabe ohne den Platz für den Fressbereich).

≥ (2 x Wh)2 /Pferd (Angabe ohne den Platz für den Fressbereich)

≥ (3 x Wh)2 /Pferd

Elektroabgrenzungen 

in Boxen und Kleinausläufen ( ≤ (2 x Wh)2 /Pferd) tierschutzwidrig

Fenster

aus zerbrechlichen Materialien in einer von den Pferden erreichbaren Höhe, müssen gesichert sein

Leuchten, Elektroleitungen und –anschlüsse

dürfen sich nur in gesichertem Zustand in Reichweite der Pferde befinden

 

Stallgassen

Stallgassenbreit

bei geschlossenen Boxentürene: ≥ 2,00 m (Kleinpferde) bzw. ≥ 2,50 m (Großpferde)

bei hälftig zu öffnenden Boxentüren: ≥ 2,50 m (Kleinpferde) bzw. ≥ 3,00 m (Großpferde)

 

Auslauf

Fläche

≥ (2 x Wh)2→ für Stute mit Fohlen (2,3 x Wh)2

bis 2 Pferde ≥ 150 m2 , bei mehr als 2 Pferden, für jedes Pferd zusätzlich 40 m2

 

 

Bodenaufbau

Im Aufenthaltsbereich der Pferde sollte der Boden rutschfest und trittsicher sein sowie den hygienischen Standards entsprechen. Zu dem Aufenthaltsbereich der Pferde gehören dabei Stallgasse mit Wasch-, Putz- und Behandlungsplätzen sowie den Wegen zu anderen Gebäuden und Einrichtungen wie Reithalle, Weide, etc. Der Liegebereich der Pferde muss trocken sein und sollte in den Ställen eingestreut werden. Dazu eignen sich verschiedenste Einstreumaterialien. Was dabei zu beachten ist und welche Einstreu sich für welche Zwecke am besten eignet erfahrt ihr in vergangenen Ratgeberartikeln von uns. Wichtig ist zu beachten, dass die Gegebenheiten der Umgebung maßgeblich entscheidend sind für die Wahl der passenden Einstreu.

Achtung! Es genügt den Anforderungen nicht, vor allem bei Einzelhaltung alleinig auf den Einsatz von Kunststoffliegematten zurück zu greifen. Pferde auf Spaltenböden zu halten ist nicht tiergerecht und sollte vermieden werden.

Stallklima und Lichtverhältnisse

Damit ein Pferd gesund leben kann, benötigt es einen hohen Frischluft- und Lichtbedarf. Dabei können sie sich aufgrund der Thermoregulation, die bei allen Rassen gleich ist, perfekt der Umgebungstemperatur anpassen. Aber nur so lang, wie der Mensch auf diese durch Scheren oder Benutzen von Decken nicht in die natürliche Gewöhnung der Pferde an Hitze und Kälte eingreift. In einem Pferdestall sollten deswegen Temperaturen herrschen, die der Außenluft entsprechen. Wichtig zu beachten ist auch die Schadgaskonzentration, die durch im Einstreu der Pferde entstehende Schadgase bestimmt wird und festgelegte Werte nicht übersteigen darf, um die Gesundheit der Tiere nicht zu gefährden. Das bedeutendste Schadgas ist hier Ammoniak (NH3), dass durch eine mikrobielle Zersetzung von Harn und Kot entsteht. Hier sollte auf geeignete Lüftung sowie den Einsatz staub- und keimarmer Einstreu geachtet werden. Auch bei der Fütterung ist auf qualitativ hochwertiges und staubarmes Rau- sowie Kraftfutter zurück zu greifen. Arbeitsprozesse wie dem Kehren des Stallganges müssen auf Zeiten verschoben werden, in denen die Pferde sich nicht im Stall befinden.

Um der Vermehrung von Bakterien, Parasiten, Pilzen und weiteren Schädlingen entgegen zu wirken ist darauf zu achten, dass die Luftfeuchtigkeit einen Wert von 80% nicht dauerhaft übersteigt und im Regelfall zwischen 60 – 80 % beträgt. Deshalb ist ein ausreichender Luftaustausch zu gewährleisten, bei dem Schadgase, Wasserdampf sowie Staub und Keime abgeführt werden und genügend Frischluft den Stall passieren kann.

Luftströmungen, die auf den Körper des Pferdes entweder Ganz oder zumindest großflächig auftreffen entsprechen für die Tiere keiner Zugluft in dem Sinne, wie es die Menschen empfinden. Eine angepasste Luftströmung unterstützt die Pferde bei ihrer Thermoregulation und wirkt sich damit positiv auf deren Gesundheit aus.

Schadgaskonzentration in der Luft

Ammoniak (NH3)

< 10 ppm

Kohlendioxid (CO2)

< 1.000 ppm

Schwefelwasserstoff (H2S

0 ppm

Pferde sollten täglich die Möglichkeit besitzen, sich in einem natürlichen Licht aufzuhalten. Natürliches Licht bedeutet Sonneneinstrahlung, die sich durch ihr Spektrum positiv auf Verhalten, Stoffwechsel, Widerstandskraft sowie Leistungsfähigkeit und Fruchtbarkeit auswirkt. Künstlich erzeugte Lichtquellen können diese nicht ersetzen. Deshalb müssen Fensterflächen mind. 1 /20 der Stallfläche betragen und je nach Verschattung größer angelegt werden. Im Stall sollte eine Beleuchtungsstärke von mind. 80 Lux über mind. 8 Stunden je Tag im Tierbereich vorhanden sein.

Obiger Überblick ist nur ein kleiner Teil der Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und bezieht sich auf das Stallgebäude. In einem weiteren Ratgeberartikel werden wir noch genauer auf die wichtigsten Aspekte im Zusammenhang mit Auslauf und Weide für Pferde eingehen.

 

 

Quellen: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/HaltungPferde.pdf?__blob=publicationFile