Viele Pferde auf einer Weide

Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten Teil 2 Wie sollte Weide und Auslauf beschaffen sein?

Wir berichteten bereits über die Maße und Beschaffenheiten des Stallgebäudes nach den Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten. Nun ein Nachtrag zu Weide und Auslauf. Auch hier gibt es einige tierschutzrelevante Aspekte zu beachten.

Vorab sollte das arttypische Bewegungsverhalten von Pferden betrachtet werden. Pferde sind Lauf- und Herdentiere und bewegen sich in natürlicher Umgebung bis zu 16 Stunden am Tag in einem Sozialverband aus mehreren unterschiedlich alten Tieren. Die bevorzugte Gangart ist dabei der Schritt inkl. Futteraufnahme. Dieser tägliche freie Bewegungsbedarf muss also auch bei einer domestizierten Haltung gegeben werden, um die Tiere gesund zu erhalten. Wichtig zu beachten ist, dass kontrollierte Bewegung wie Reiten diese freien Bewegungsabläufe nicht ersetzen kann. Deshalb sollte allen Pferden sooft es geht Weidegang bzw. Auslauf angeboten werden. Auch auf die entsprechende Größe je nach Pferdebesatz muss geachtet werden

Da Pferde Fluchttiere sind, teilen sie ihre Ruheverhalten über den Tag auf und ruhen immer wieder für kürzere Phasen. Dabei ist es arttypisch im Stehen sowie Bauch- und Seitenlage zu ruhen. Der Ruheplatz muss dabei dem Sicherheitsbedürfnis angepasst sein damit sie eine Bauch- oder Seitenlage einnehmen. Dabei bevorzugen sie einen Boden, der weitestgehend trockenen und verformbar ist. Dieser Untergrund muss so groß sein, dass auch rangniedere Tiere jederzeit Platz finden. Darüber hinaus ist der Verdauungsapparat des Pferdes so angelegt, dass eine kontinuierliche Nahrungsaufnahme sichergestellt werden muss. Vor allem in der domestizierten Haltung dient die Futteraufnahme zusätzlich der Beschäftigung der Tiere. Hierfür muss den Pferden genügend Zeit und zur Verfügung gestellt werden. Wenn Pferde nicht ihrer Art gerecht gehalten werden können sich gesundheitliche Probleme einstellen oder Verhaltensstörungen auftreten.

Weide und Auslauf

Einige Menschen halten ihre Pferde sowohl in den Sommermonaten wie auch ganzjährig auf einem Auslauf bzw. Weide. Auch dabei gibt es einiges zu beachten.

Bei unangenehmen Witterungserscheinungen wie zum Beispiel starker und langanhaltender Niederschlag sowie enormer Wind oder sehr hohe Temperaturen und Sonneneinstrahlung mit dem Aufkommen vieler Stechinsekten bevorzugen Pferde oft einen Witterungsschutz. Dieser sollte dann unbedingt, unabhängig von der Rasse, vorhanden sein. Nur wer ausschließen kann, dass seine Pferde den Unterstand nicht aufsuchen, da keine schwierigen Witterungsverhältnisse bestehen oder Zeiträume der Weidezeit kurz bemessen sind, und keine Leiden oder Schäden aufgrund des Fehlens eines Unterstandes auftreten darf auf den Bau eines Witterungsschutzes verzichten.

Ein Witterungsschutz gilt erst als erfüllt, wenn alle Tiere zur selben Zeit Schutz vor ungünstigen Witterungseinflüssen genießen können. Dabei entspricht sowohl ein natürlicher (Wald, Bäume bzw Buschgruppen oder Felsen) wie auch ein künstlicher Witterungsschutz diesen Anforderung. Es gilt: Ein Schutz vor allem gegen die Hauptwindrichtung muss gewährleistet sein. Im Sommer, als Schutz vor Sonne oder Insekten genügt eine Überdachung ohne Wände. Darüber hinaus ist es sinnvoll, bei einer größeren Herde, mehrere kleine Orte zum Witterungsschutz anzubieten, als ein großer, damit die Zugänglichkeit auch für rangniedrige Tiere gewährleistet werden kann

Einzäunung

Die Einzäunung für eine Weide oder Auslauf für Pferde muss für die größtmögliche Sicherheit für Tier und Mensch ausgestattet sein und dies auch gewährleisten. Es ist dabei auf die arttypischen Verhaltensweisen des Pferdes zu achten. Für ein Flucht- und Herdentier muss die Einzäunung stabil, gut sichtbar, sowie möglichst ausbruchsicher sein. Gerade die Stabilität eines Zaunes wird oft unterschätzt. Ältere Holzzäune oder alleinig eingesetzte Elektrozäune müssen deshalb stets kontrolliert werden.

Allgemein sollten folgende Tierschutzaspekte beachtet werden:

  • Kriterien bei der Zaunausführung:
    • Rasse und Geschlecht der Pferde
    • Beweidungsform (ganzjährig, zeitweise)
    • Bestandsdichte
    • Futterangebot
    • Art, Lage und Größe der Weide/ des Auslaufs (Verkehrsnähe, Risikobereiche)
    • Zaunmaterial
  • Engpässe oder Spitze Winkel sind zu vermeiden
  • Außenzaunausführung:
    • Zaunhöhe über Grund: 0,75 x Widerristhöhe (i. d. R. 1/3 des Pfahls im Boden)
    • Pfahlabstand: 260 – max. 500 cm je nach Zaunmaterial
    • Querabgrenzung: mindestens 2 – 4 je nach Risikobereich (außer Portionsweiden)
    • Höhe der ersten Querabgrenzung über Grund: 40 – 70 cm (bei Fohlen, kleinen Ponys und Kaltblütern ggf. entsprechend angepasst)
    • Abstand der weiteren Querabgrenzungen: je 40 – 70 cm in Abhängigkeit von der Zaunhöhe (bei Fohlen, kleinen Ponys und Kaltblütern ggf. entsprechend angepasst)
  • Zaunmaterial:
    • Holz
    • Metallrohre
    • Elektrozaun
  • Elektrogeräte:
    • Impulsgeräte (mind. 2 000 bis max. 10 000 Volt, max. 5 Joule Impulsenergie, mit VDE-, GSE- oder DLG-Prüfsiegel)
  • Nicht gestattet sind:
    • Verwendung von Stacheldraht Knotengitter
    • freiliegende Spiralen bei Torgriffen und Torfedern
    • Defekte oder unzureichende Einzäunungen

Boden

Arttypisch meiden Pferde morastige Böden und versuchen diese zu umgehen. Eine andauernde Haltung in tiefem Schlamm vermischt mit Exkrementen kann sich dieser negativ auf die Gesundheit der Tiere auswirken. Darüber hinaus wird das Ruheverhalten bei staunasser sowie tiefgründiger Bodenbeschaffenheit beeinträchtigt. Deshalb sollten alle Pferde einer Herde jederzeit gleichzeitig auf einer schlammfreien Fläche stehen können und auch ihre Hauptverkehrswege zu Unterstellplätzen wie auch Wasser- und Futtervorrichtungen müssen morastfrei zu begehen sein. Künstliche Bodenaufbauten sollten bestenfalls aus einer Tragschicht , Trennschicht und Tretschicht bestehen. Dazu können zusätzliche Plätze zum Liegen und Wälzen erschaffen werden um den Komfort der Pferde zu erhöhen. Es ist darauf zu achten, dass alle genutzten Materialien frei von Schadstoffen und Verletzungsursachen sind.

Quellen: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Tier/Tierschutz/GutachtenLeitlinien/HaltungPferde.pdf?__blob=publicationFile

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