Hufe im Sand

Was ist Hufrehe? Krankheiten bei Pferden - Vorbeugen, erkennen, behandeln

Entstehung durch nicht physiologische Hufbearbeitung?

Ein fortwährend heiß diskutiertes Thema sind Krankheiten bei Pferden u.a. die Hufrehe. Die Meinungen und Schätzungen zu den Ursachen sind dabei sehr weitreichend und unterschiedlich. Im Internet gibt es bereits unzählige Auflistungen über mögliche Ursachen und Hilfestellungen bei der Behandlung. Meist wird im Zusammenhang mit der Hufrehe das Futter als Ursache dargestellt, das durch toxische Vorgänge im Pferd zu diesen Auswirkungen führt. Aber was ist mit allen Pferdehufen, die durch nicht physiologische Bearbeitung in ihrer Funktion eingeschränkt und gehemmt werden?

Zunächst ein Mal etwas Theorie:

Was ist Hufrehe eigentlich und wie kann man Vorbeugen?

Neben der deutschen Bezeichnung, gibt der englische den Aufschluss, um was es sich bei dieser Krankheit überhaupt handelt. Dieser heißt „laminitis“ und bedeutet „Entzündung der Laminae, also des Blättchenapparates und somit des Hufbeinträgers. (Budras, Patan-Zugaj & Mülling, 2014; S.94)

Dazu ein kurzer Exkurs zum Hufbeinträger – was ist das?

Der Hufbeinträger besteht aus verschiedenen Strukturen des Hufes und wird als funktionelle Einheit zusammengefasst. „ [Er] hat die Funktion, Druckkräfte der Körperlast [ auf dem Hufbein] in Zugkräfte [auf die Hufplatte] zu transformieren und dadurch das Hufbein (samt Körpergewicht) in einer Schwebeposition zu halten und so vor Destruktionen (Verbiegungen und Frakturen) zu bewahren. Damit dient er auch zur Dämpfung von Erschütterungen.“ (Budras, Patan-Zugaj & Mülling, 2014; S.94)

Bei einer Hufrehe kommt es also zur Entzündung und teilweise auch Destruktion des Hufbeinträgers. Dabei kann diese in verschiedenen Phasen ablaufen:

Symptomlose Initialphase

Diese Phase ist geprägt von Störungen in der Zirkulation des Blutgefäßsystems des Hufbeinträgers. Da die destruktiven Vorgänge teilweise auf molekularer Ebene ablaufen konnten jedoch noch keine genauen Beobachtungen gemacht werden. Man geht davon aus, dass die Initialphase in ihrer Dauer von wenigen Stunden bis hin zu mehreren Tagen wären kann, bevor typische Symptome eintreten.

Akuter / suakuter Krankheitsverlauf

Wenn es besonders im Hufrückenbereich des Hufbeinträgers zu Lockerungen, Überdehnungen oder partiellen Zerreißung des Gewebes kommt, ist eine Absenkung der Hufbeinspitze die Folge. Dies kann folglich durch röntgenologische Bildaufnahmen nachgewiesen werden. Auch ist es möglich, eine Hautrinne oberhalb des Kronrandes zu ertasten, die auf eine Absenkung hindeutet. Im Verlauf kann sich diese bis hin zu einem Hufbeindurchbruch verschlimmern.

Chronischer Krankheitsverlauf

Je nach Entwicklung der Krankheit kann diese zu einer umfassenden Hufbeinsenkung, Hufbeinrotation sowie Hufkapselrotation führen.

Perakuter Krankheitsverlauf

In manchen Fällen kommt es frühzeitig zu einer totalen Funktionsstörung des Hufbeinträgers, was ein Ausschuhen zur Folge hat. Dies nennt man eine perakute Hufrehe. (Budras, Patan-Zugaj & Mülling, 2014; S.94)

In allen Fällen erfolgt also eine Entzündung des überlasteten Gewebes. Eine Entzündung ist ein Reparaturversuch des Körpers. Durch mehr Lokaldurchblutung und demnach erhöhten Stoffwechsel versucht sich das Gewebe zu regenerieren. Deshalb ist es so wichtig die Ursache zu finden, die zu der Entzündung geführt hat. (Gehrmann, Oktober 2011)

Nun gibt es also unterschiedliche Krankheitsverläufe, wie auch die unterschiedlichsten Ausprägungen und Anzeichen. Die Pferde zeigen oft neben allgemeinen Schmerzanzeichen vor allem einen steifen, vorsichtigen und klammen Gang, der sich bis hin zur völligen Lahmheit verschlimmern kann. Sie mögen meist keinen harten Untergrund und laufen schlechter in Wendungen. Vor allem die Hufsohle zeigt sich schmerzhaft, was durch eine Untersuchungszange getestet werden kann.

Die konventionelle Therapie verläuft meist mit einem speziellen Beschlag, der die Hufe in den Trachten höher stellt. Auch ein Eingipsen und Boxenruhe sind weit verbreitet. Des Weiteren wird davon ausgegangen, dass eine Rehe unheilbar ist, weshalb sie auch jeder fürchtet. Mittlerweile gibt es jedoch neue Ansichten über die Ursachen und auch eine Menge erfolgreich behandelter Pferde, die aus konventioneller Sicht als austherapiert galten. (Gehrmann, Oktober 2011)

Wie bereits erwähnt, stehen die meisten Diagnosen in Zusammenhang mit Futter und werden als „toxische Rehe“ bezeichnet. Genauso oft zeigen die meisten Pferde ausschließlich auf ihren Vorderbeinen Anzeichen einer Hufrehe. Aber wieso sollten sich Giftstoffe des Körpers einzig auf die Vorderbeine des Körpers stürzen? Die Hufe sind Ausscheideorgan der Stoffwechselendprodukte. Natürlich werden also Giftstoffe auch über die Hufe ausgeschieden. Aber das doch dann auf alle vier Hufe verteilt und nicht nur vorn, oder?

Dies muss also darauf hindeuten, dass es noch einen viel wichtigeren Grund für eine Hufrehe an den Vorderbeinen geben muss als nur Giftstoffe und das Futter. Deshalb sollte die Hufform und -stellung ein Mal genauer betrachtet werden.

Für einen reibungslosen Stoffwechsel sowie gesunden Huf ist es von extremer Wichtigkeit, dass die Durchblutung im Gewebe um das Hufbein herum uneingeschränkt funktionieren kann. Dies ist jedoch nur der Fall, wenn keine Hufdeformationen und Hufeisen dazu führen, dass Blutgefäße abgedrückt sowie der Hufmechanismus unterdrückt sind. Auch eine artgerechte Haltung mit 24 h Auslauf und entsprechender Fütterung sind für den Stoffwechsel des Pferdes von größter Bedeutung! Wenn die Darmflora des Pferdes aufgrund zu wenig Raufutter oder zu hohen Gaben konzentrierten Kraftfutters gestört wird kann dies dann tatsächlich über die mechanisch verursachte Hufrehe hinaus zu einer toxischen Rehe führen, da wichtige und für das Pferd bedeutende Mikroorganismen im Darm absterben und eine Art Leichengift produzieren. (Gehrmann, Oktober 2011)

Vorsicht bei Schmerzmitteln

ACHTUNG! Oft wird zur Therapie von chronischer Hufrehe über einen größeren Zeitraum Schmerzmittel verabreicht. Bekannt ist jedoch, dass die Gabe von Schmerzmitteln von mehr als 4 Tagen zu irreversiblen Zellschäden führen kann. Darüber hinaus werden die Medikamente über die Leber und Nieren des Pferdekörpers verarbeitet und können diese dabei massiv schädigen. Dies dürfte den Heilungsprozess einer Hufrehe leider nicht positiv beeinflussen. Darüber hinaus kann es dazu führen, dass die Pferde sich aufgrund des gehemmten Schmerzempfindens überlasten und damit weitere Zerstörungen des Hufbeinträgers stattfinden.(Gehrmann, Oktober 2011)

Fundiertes Wissen hilft Hufrehe vorzubeugen

Aus Unwissenheit über physiologische Abläufe im Pferdekörper und speziell der Hufe werden Erkrankungen dieser immer häufiger. Auch die Therapie gestaltet sich aufgrund von mangelnden gut ausgebildeten Therapeuten als schwierig. Deshalb ist es umso wichtiger als Pferdebesitzer um die Vorgänge in einem Huf sowie die Auswirkungen von Eisen Bescheid zu wissen und anatomisch korrekte Hufstellungen zu erkennen. Dies ist nunmehr auch bei der Suche nach einem geeigneten Huftherapeuten von größter Bedeutung.

Dazu gibt es ganzjährig in Deutschland verschiedenste Hufseminare von den unterschiedlichsten Organisationen und Gemeinschaften. Wir können Seminare der Hufklinik Eifel nur wärmsten empfehlen! Das Huftherapie- und Trainingszentrum Eifel beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Erkrankungen der Hufe und konnte bereits viele konventionell austherapierte Pferde erfolgreich behandeln. Auf ihrer Seite www.hufrehe.de könnt ihr weitere Infos im Zusammenhang mit physiologischen Ursachen einer Hufrehe lesen und euch darüber hinaus über Seminare und weitere Erkrankungen informieren.

Foto: ELi Therapiezentrum| www.eli-therapie.de

Quellen:

Budras, K.-D., Patan-Zugaj, B., Mülling, C.,(2014). Atlas der Anatomie des Pferdes: Klinisch-funktionelle Anatomie Hufbeinträger S.94 Hannover: Schlütersche Vertragsgesellschaft mbH & Co. KG.

Gehrmann C. (Oktober 2011). http://www.hufrehe.de/ursachen-fuer-hufrehe-laminitis-verstehen-und-beseitigen-start-heunetz-de-portale.html

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