Leckerlis für Pferde


Unter Reitern ist die Gabe von Pferdeleckerlis heiß umstritten. Die einen sind absolut dagegen, die anderen argumentieren, Futterlob sei für das Training der Pferde durch nichts zu ersetzen. Und jeder Pferdefreund hat wohl schon einmal mitbekommen, wie ein Pferd vor lauter Gier auf ein Leckerli nach Hand, Jacke oder Arm seines Besitzers geschnappt hat.

Die Regale im Bereich Tiernahrung sind meist voll mit Pferdeleckerlis der verschiedensten Sorten und Geschmacksrichtungen. Dazu kommen noch Karotten, Äpfel, Birnen, Bananen und jedes andere Obst, das ein Pferd mögen könnte. Alles nur, um dem vierbeinigen Freund die Zuneigung zu beweisen und ihn zu besserer Leistung zu motivieren. Aber funktioniert das überhaupt? Und sind die „Süßigkeiten für Pferde“ nicht etwa ungesund? Erfahre in diesem Ratgeber Artikel mehr dazu.

Leckerli für Pferde

Motivation oder Bestechung?

Futter ist für ein Pferd ein starker Anreiz, etwas zu tun. Immer wieder hört man von Pferden, die über Zäune springen, Schlösser und Türen öffnen oder aus ihrem Stall ausbrechen, um an etwas Essbares zu gelangen. Diese Tatsache wird auch im Training mit Wildtieren genutzt, die keinerlei Interesse daran haben, dem Menschen zu gefallen.

Für eine schmackhafte Belohnung machen sie jedoch allerlei Kunststücke oder lassen sich vom Tierarzt behandeln. Ganz ähnliche Überlegungen stecken hinter dem Einsatz von Leckerlis im Pferdetraining. Mit Futter lernen die Tiere leichter, Kommandos auszuführen oder zum Beispiel angebunden stehen zu bleiben. Auch unangenehme Behandlungen wie etwa Impfen oder die Versorgung von Wunden lassen sich besser ertragen, wenn am Ende eine Belohnung winkt.

Allerdings: Alles lässt sich damit auch nicht kompensieren. Leckerlis sind für Pferde keine Bestechung oder Bezahlung, durch die sie plötzlich rittiger oder gehorsamer sind. Ein ängstliches oder aufgeregtes Pferd will nicht fressen, eine Ablenkung durch Leckerlifütterung funktioniert einfach nicht.

Zugneigung zum Pferd

Zuneigung lässt sich nicht erkaufen

„Schau, wie der sich freut, wenn ich komme!“ Diesen Satz hört man in vielen Ställen. Oft ist aber eindeutig erkennbar, dass sich das Pferd nicht auf den Menschen freut, sondern auf dessen Mitbringsel. Grundsätzlich ist das nichts Schlechtes, die Verknüpfung Mensch – Leckerli sorgt für positive Gefühle im Pferd, die wir ja erreichen wollen. Unangenehm wird es immer dann, wenn die Leckerlis mangelnde Kompetenz des Reiters kaschieren sollen. Statt Erziehung werden Leckerlis ins Pferd gestopft, statt Können gibt es Äpfel, Karotten und Co.

Das Ergebnis sind schnappende, scharrende, bettelnde, rüpelhafte Pferde, die gelernt haben, dass sie nur lästig genug sein müssen, damit es Futter gibt. Das ständige Knabbern an Ärmel oder Jackentasche wird dann oft fälschlicherweise für Zuneigung gehalten. Denn die Pferde mögen einen Menschen nicht, weil er viele Leckerlis verteilt, ganz im Gegenteil. Wer sich darauf beschränkt, die Zuneigung seines Pferdes erkaufen zu wollen, wird im Ernstfall, etwa bei Erschrecken oder Abwehrreaktionen, einfach umgerannt.

Reiter und Pferd

Verzichten ist auch keine Lösung

Das klingt jetzt alles so, als wäre es sinnvoller, auf Leckerlis in der Pferdeausbildung zu verzichten. Schließlich sind diese ja auf Kooperationsbereitschaft gezüchtet und müssen nicht wie Wildtiere über primäre Verstärker wie Futter trainiert werden. Als „Bestechung“ sind Leckerlis unbrauchbar und ein gieriges, bettelndes Pferd will auch niemand haben.

Alles richtig. Aber Futterlob ist so ziemlich die wirksamste Art zu loben. Und wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Tiere (und Menschen übrigens auch) am schnellsten und effektivsten mit Lob lernen. Ein durchdachtes Trainingskonzept wird also durch den gezielten Einsatz von Leckerlis schneller zum Erfolg führen als Systeme, die ohne Futterlob arbeiten.

Von uns Menschen erfordert die Arbeit mit Futterlob allerdings einiges an Selbstdisziplin: keine planlose Gabe von Leckerlis mehr, aufeinander aufbauende Trainingsschritte und konsequentes ignorieren von Bettelei jeder Art. Das Ergebnis ist ein höfliches, motiviertes Pferd, das gerne mitarbeitet und sich auf die Belohnung freut. Also genau das, was sich ein Reiter wünscht.

Sind Leckerlis ungesund?

Sind leckerlis ungesund?

Viele Leckerlis für Pferde sind mit Melasse, Honig, Apfeltrester oder ähnlichem gesüßt, weil Süßes einfach gut schmeckt und daher als Belohnung besser geeignet ist. Auch Karotten, Äpfel, Birnen, Bananen und viele andere beliebte Obstsorten enthalten eine Menge Fruchtzucker. Das finden Pferde lecker – aber gesund ist es nicht unbedingt.

Zuviel Zucker in der Tiernahrung macht, wie beim Menschen, krank. Pferde mit Stoffwechselstörungen sind noch anfälliger für einen Zuckerüberschuss in ihrer Ernährung. Natürlich wird ein Pferd nicht sofort krank, nur weil es ein Leckerli bekommen hat. Doch es gilt wie fast überall: Die Dosis macht das Gift.

Als Pferdebesitzer sollten Sie sich überlegen, wie viele Leckerlis Ihr Pferd tatsächlich bekommt. Sind das ein paar wenige oder eher ein, zwei Handvoll? Täglich oder nur zwei Mal die Woche? Welches Arbeitspensum hat das Pferd und wie oft pro Woche arbeitet es wirklich? Gehört es zu den schwerfuttrigen Kandidaten oder ist es beispielsweise ein Haflinger oder Pony, das schnell dick wird? Speziell bei letzteren sollte man unbedingt die Menge der Leckerli in der Rationsberechnung berücksichtigen und gegebenenfalls das Kraftfutter entsprechend kürzen. Dann schadet das essbare Lob auch nicht der Gesundheit.

Verschiedene Einstreu

Welches Leckerli ist das Richtige?

Aber welche Leckerlis soll das Pferd nun bekommen? Grundsätzlich wäre es egal, solange die Leckerlis dem Pferd schmecken und einfach handzuhaben sind. Ausgenommen davon sind Pferde mit Stoffwechselstörungen wie etwa Hufrehe, EMS oder Cushing. Für diese sollte unbedingt auf den Zuckergehalt der Belohnungshappen geachtet werden.

Im Handel finden sich heute sehr gute Leckerlis im Bereich Tiernahrung, die speziell auf die Bedürfnisse solcher Tiere abgestimmt sind. Da macht es auch nichts, wenn in einer Trainingseinheit einmal mehr davon gebraucht wird. Karotten, Äpfel und Birnen können eine gute Alternative sein, wenn sie in kleine Stücke oder Scheibchen geschnitten sind. Aufgrund des Wassergehalts kleben sie aber in der Tasche schnell fest oder verderben bei Hitze. Frisch verfüttert sind sie im Winter trotzdem eine willkommen Abwechslung auf dem Futterplan, doch Vorsicht wegen des Zuckergehalts!

Leckerlis aus dem Fachhandel gibt es mittlerweile in vielen Geschmacksrichtungen und Größen, sodass sich für fast jeden Bedarf das richtige findet. Solche Leckerlis sind haltbarer und kleben weniger in der Tasche, vor allem im Sommer eine wichtige Sache. Am besten, Sie probieren aus, was Ihrem Pferd am besten schmeckt – fast jedes Tier hat ein Lieblingsessen, für das es (fast) alles tun würde. Denn Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen.

Tags: Tierpflege, Ernährung
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